Kneifen ist der wahre Mut

Wie sagte doch der mutige Herr Sarrazin: “Für mich gilt: Wenn man eine Meinung hat, muss man auch zu ihr stehen. Wer meint, die besseren Argumente zu haben, braucht vor Diskussionen keine Angst zu haben.” (TV,12/13 Mai,S.25). Genau! Und weil er so mutig ist, keine Angst und die besseren Argumente hat, gibt es keine Diskussion und müssen Fragen schriftlich und im Voraus gestellt werden.  Kneifen ist der wahre Mut, nicht diskutieren die wahre Diskussion, pauschalisieren in Wirklichkeit differenziertes Denken und keine Ahnung haben die wahre Kompetenz. Und wenn man das einmal verstanden hat, versteht man auch die  Aussage von Frau Eveline Nitzsche aus Wittlich (TV a.a.O): “Mir hat die Lesung  sehr gut gefallen, besonders seine Offenheit und sein Mut, Dinge anzusprechen, die man bei uns nicht ansprechen darf.”

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Eifel-Literaturfestival: Kritik

Jetzt ist es also doch passiert. Dieter Lintz  hat sich zum Eifel-Literaturfestival geäussert.  Etwas versteckt und in einer Nebenbemerkung in einem Artikel über die Lesung von Hans Neuenfels (TV, 11 Mai, S. 24). In seiner Begeisterung für den großen Neuenfels hat er sich hinreissen lassen: “Geschrieben  übrigens in einer literarischen  Qualität, die manche  Autoren des parallel laufenden großen Eifel – Literaturfestivals bei weitem in den Schatten stellt.”  Er hätte auch schreiben können: “die Mehrzahl der Autoren des Eifel- Literaturfestivals” und dabei nichts Falsches gesagt. Kritik von kompetenter Stelle jedenfalls, noch etwas vorsichtig formuliert. Vielleicht ein Anfang zu einer notwendigen Debatte über die literarische und intellektuelle Qualität dieses Festivals? 

Kritik  darf ruhig auch einmal etwas deutlicher sein, damit sie auch wahrgenommen wird, so wie etwa die von Sloterdijk an dem “Philosophen” Richard David Precht, einem der Lieblinge des Festivals:    

Sloterdijk:  Seine Klientel gleicht eher der von Andre Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.” (Die Zeit, 10 Mai, )

Das ist schon böse, aber es trifft den Kern.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Brezel-Kultur

 

Brezeln soll es wieder geben im Kolpinghaus, so ein Wunsch beim 2. Kulturforum in Wittlich

“Denn Kunst ist keine Kunst, wenn sie am Geschmack der Menschen vorbei(geht), und niemand hingeht.”  (Ursula Quickert, Meinung, TV2 April,S.9)  Handelt es sich hier um eine missglückte, weil extrem verkürzende, Interpretation einiger Seiten  (192-196) des mit ”Wege aus der Qualitätskrise” betitelten dritten Kapitels aus Rauterbergs “Und das ist Kunst?!”? Rauterberg argumentiert dort mit Rückgriff  auf Begriffe Kants (Sinnengeschmack, Reflexionsgeschmack, subjektive Allgemeingültigkeit) gegen Klaus Theweleits Einschätzung des Geschmacks - “abgehalfterter Gaul aller Begriffslosen”,  ”das diskreditierteste aller Orientierungsmittel” (zitiert nach Rauterberg, 194)- und  plädiert für eine Geschmacksdebatte, mit dem Ziel, den Betrachter zur Zentralfigur des Kunstdiskurses zu machen, mit entsprechend hohen Anforderungen an das Reflexionsvermögen des Betrachters. (Analog könnte man sagen: den Hörer zur Zentralfigur des Musikdiskurses, den Leser zur Zentralfigur des Literaturdiskurses). Dann könnte es der Einstieg in eine notwendige Diskussion sein. Der Blick auf den Rest von Frau Quickerts Beitrag legt eher nahe, dass sie ”Geschmack” einfach nur in der üblichen Weise verwendet: “Sie sagen Geschmack und meinen damit, ein jeder Mensch habe seine eigenen, unverwechselbaren Vorstellungen von dem,  was schön, gut und angemessen sei.”(Rauterberg S.193) Man könnte ihr Statement dann so interpretieren: Kunst ist Kunst, wenn sie den Geschmack der (Wittlicher) Menschen trifft, und Wittlicher auch hingehn.   

Auf volksfreund.de  regt Ramon Urban in einem Kommentar zu Ursula Quickerts Artikel an,   Rock/Pop – Musik stärker zu berücksichtigen und den Sparten Klassik und Jazz gleichzustellen. Er moniert, dass Rock/Pop Musik in den Bereich Kinder- und Jugendarbeit eingeordnet wurde, – dort gehört sie meiner Meinung nach auch hin, aber man wird es wohl begründen müssen –   und fordert mit dem Verweis auf den Geschmack der Mehrheit gleiches Recht für alle. Da wären wir wieder beim Geschmacksargument.

Natürlich macht eine Kulturarbeit am Bürger vorbei keinen Sinn und insofern ist das Kulturforum eine sehr sinnvolle Einrichtung. Aber es zeichnet sich ab, dass es den Wittlicher Bürgern eher um Verteilungsfragen als um wirkliche Inhalte geht. Auseinandersetzung mit ästhetischen und gesellschaftlichen Fragen, Reibung, Zeitgenossenschaft, Werte als Themen kultureller Arbeit? Bisher Fehlanzeige. Stattdessen: Jedem seine Brezel. Ganz nach seinem Geschmack. Da ist der Bürger zufrieden. Das wird schön werden. Schön langweilig, vor allem!

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Anmerkungen zum Entwurf des Kulturkonzepts der Stadt Wittlich

Vorweg: Dieser Entwurf ist ein Quantensprung zu dem, was in der Aera Calleen an konzeptioneller Arbeit geliefert wurde,  er ist ausführlich, nüchtern, erfrischend realistisch und pragmatisch und bietet eine gute Diskussionsgrundlage.  Einige fragmentarische Anmerkungen aus Anlass des zweiten Kulturforums am heutigen Abend. 

Vorwort: “Auf philosophische und rein theoretische Betrachtungen von Kultur und Kunst sowie Versuche von Definitionen wurde verzichtet.” Der Verzicht hat natürlich seine Vorteile. Er engt die Diskussion nicht von vorneherein durch begriffliche Festlegungen ein.  Er läßt nicht diejenigen  außen vor, die auf diesem Felde nicht so beschlagen sind, er vermeidet zudem Verzettelungen. Trotzdem hätte ich mir  eine Diskussion gewünscht, – eine solche grundlegende hat ja auch im ersten Kulturforum nicht stattgefunden-.   Kulturamt und Kulturforum sind kein philosophisches Oberseminar, aber wer schon einmal in einem solchen Oberseminar gesessen hat, der weiß, dass eine Klärung der Begriffe immer sinnvoll ist, auch wenn sie zu keinem endgültigen Ergebnis führt, weil schon allein dieser Klärungsprozess sehr erhellend sein kann und weil einen sonst dieses Versäumnis  in der Regel einmal einholen wird, hier spätestens dann, wenn geklärt werden muss, was denn gefördert werden soll und was nicht, was noch als Kultur gilt und was nicht, und warum nicht. 

Musik/Musikkreis/Kooperation Mosel-Musikfestival 

“Die Musik ist in Wittlich ausgesprochen gut  aufgestellt”.  Das würde ich mit Blick auf den Musikkreis nicht ganz so positiv sehen. Die Interpreten, die eingeladen werden, sind gewiss erste Wahl, die konzeptionelle Ausrichtung ist jedoch stark verbesserungswürdig. Das Programm ist rückwärtsgerichtet, die Auseinandersetzung mit neueren musikalischen Entwicklungen fehlt völlig. Man kann die Klassiker auch zu Tode pflegen. Auf die Kooperation mit dem Mosel-Musikfestival sollte man und kann man getrost verzichten. Sie bringt keinerlei kulturelle Profilschärfe für  Wittlich. Das Streben des Festival ist die Vermehrung seines eigenen Glanzes. Trier gewinnt hier immer mehr an Bedeutung und dürfte mit Machern im Zentrum stehen.  Wenn ich es recht sehe, ist die Tendenz die, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Das jedenfalls, was in dieser Saison in Wittlich an Festivalveranstaltungen angeboten wird, ist doch arg bescheiden. 

Literatur

“Auch die Literatur ist in Wittlich gut  aufgestellt” Richtig! Ihr Verdienst, Frau Scheid!

Bildende Kunst/ Bildhauer-Symposion

Bildende Kunst in Wittlich- ein heikles Thema. Ein Problem war sicherlich die Konstruktion des Meistermann-Museums mit der Installation eines Erben als Leiter. Das ging gründlich schief und geht auch anderswo schief.  Dass Meistermann beim breiten Wttlicher Publikum nie wirklich angekommen ist, ist bedauerlich, aber Fakt. Ein anderes Problem ist die Verwechslung von Kunsthandwerk mit Kunst, der man in Wittlich häufiger begegnet, nicht nur im Falle Scherl, dessen Schweinchen bspw. vor dem Rathaus  mit Kunst nicht das Geringste zu tun haben. Generell steht in Wittlich zuviel an Kunsthandwerk herum, das für Kunst  gehalten wird.  Im Literaturverzeichnis des Entwurfs findet sich Rauterbergs “Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung. - ein Buch, welches einen sehr demokratischen Kunstbegriff vertritt. Aber man täusche sich nicht: Würde man die von ihm entwickelten Kriterien auf das, was an ”Kunst” in Wittlich herumsteht und hängt, anwenden, könnte man einen  Großteil davon abtransportieren. Und damit  ist man wieder bei den elementaren Fragen angelangt. Was will man fördern? Kunst! Gute Kunst oder schlechte Kunst? Und wann ist etwas gute Kunst? Ob ein Bildhauer-Symposion wirklich gute Ideen für die  Gestaltung eines Kreisels bringt? Die Ergebnisse der vorangegangenen Symposien stimmen mich eher skeptisch und  auf die Entscheidungskompetenz des Stadtrates in Sachen Kunst würde ich mich, siehe das unsägliche Mauerdenkmal, nur ungern verlassen. 

An die Politik: Demokratie ist eine wunderbare Sache, aber man sollte daran denken, dass Kulturpolitik mehr sein muss als die Organisation dessen, was die diversen Gruppen und Grüppchen für Kultur halten, auch mehr als die Erfüllung der Wünsche der Kulturwirtschaft.  

Empfohlene Literatur. Horkheimer, Adorno, Dialektik der Aufklärung / H.Noltze, Die Leichtigkeitslüge.  Georg Bollenbeck, Eine Geschichte der Kulturkritik/Seubold, Destruktionen der Kultur

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Seichte Gefilde und gefährliche Untiefen

Da glaubte man das Festival nach Jahren wieder auf einem guten Weg, weg vom übertriebenen Expansionskurs und dem Bestsellergetue hin zu einer stärkeren Literarisierung und mehr Qualität mit Jirgl, Schlink, Schädlich, Schirach beispielsweise und dann liest man das  Magazin des Festivals und das Frühstück schmeckt einem nicht mehr.

Dass TV und Festivalleitung   Herrn Precht als Philosophen verkaufen, nun ja, das kann man ja noch aufs Marketing schieben, sachlich rechtfertigen lässt sich das nicht. (Warum, das kann man in der “Zeit” von gestern nachlesen, Franz Schuh über Sloterdijk und Precht.S. 54 ) Dass man aber allen Ernstes einen solchen  Ausspruch wie “Mit meinen Büchern aber ist nun auch die abendländische Philosophie wieder etwas stärker in den Fokus gerückt” noch hervorhebt und ihn augenscheinlich weder für peinlich noch für anmaßend hält, das macht doch schon sehr nachdenklich. Precht scheint allen Ernstes zu glauben, was er sagt. Durch seine Bücher  beschäftigen sich mehr Leute mit Kant und Hegel, mit Schelling und Fichte, mit Schopenhauer und Nietzsche mit Wittgenstein und Heidegger, mit Habermas, Foucault, Derrida? Was für eine groteske Selbstüberschätzung, schriftlichen Plaudereien für Halbgebildete solche Wirkungen zuzuschreiben.             

Wirklich ärgerlich allerdings wird es beim Thema Sarrazin. Über den deplazierten Rekurs auf Aufklärung und Demokratie habe ich mich in diesem blog schon geäussert. ”Abstimmung mit den Füßen”. Der Verweis auf massenhafte Zustimmung ist doch kein Argument, übrigens auch kein hinreichender Ausweis demokratischen Denkens, sollte man als Lehrer eigentlich  wissen. 

Niemand muss sich erpressen lassen, völlig richtig, Herr Zierden, und alles, was in diese Richtung geht, ist absolut indiskutabel. Das was ich an öffentlicher Kritik gelesen habe, war jedoch durchaus berechtigt, denn Sie bieten nun mal einem Autor eine Bühne, der aus dem Ressentiment heraus argumentiert. Ihr  reflexartiges Schimpfen auf die Linken, die Roten zeigt aber  vollends, dass Sie  nicht ein wirkliches Argument auf Ihrer Seite haben. (Sie wissen sicher, dass dieser Reflex in dieser Region häufig dann einsetzt, wenn  unbequeme Meinungen auftreten. ) Wenn sich das Festival so für Sarrazin einsetzt, kann es uns sicher auch erklären, warum die NPD sich über Sarrazin freut und der rechtsnationale Verleger und Buchhändler Götz Kubitschek mit Sarrazins Buch Kasse macht.   

Abschließend zwei Begebenheiten, dem normalen Leben entnommen, nicht der Welt der Sarrazinschen Paranoia: Jugend musiziert Regionalwettbewerb 2012, Montabaur. Altersgruppe I ,  “Hallo ich bin der Cihan, 7 Jahre  und spiele drei Stücke.”  24 Punkte 1. Preis. Sofia, 16 , algerischer Herkunft, französische Austauschschülerin  einige Tage bei uns zu Gast, heute morgen wieder verabschiedet. Spricht französisch , algerisch(mazirisch) englisch, italienisch, spielt seit Jahren ein klassisches Instrument, zur Zeit viel Bach.  ”Kulturell sind wir Franzosen, religiös konsequent muslimisch.” Das ist die Zukunft. Sarrazin ist Vergangenheit.

Sie könnten ein so gutes Festival machen, ohne elitär zu sein. Warum nur begeben Sie sich immer wieder in diese seichten Gefilde und  -im Falle Sarrazins- gefährlichen Untiefen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Lesen!: Norbert Blüms fundamentale Bildungskritik in: Die Zeit, 15.März S.75f.

Vergessen wir für einen Moment einmal den CDU- Blüm, den Kohl-Mitstreiter Blüm, den “Die Rente ist sicher”- Blüm, den Talkshow – Blüm. Und lesen diese Streitschrift “Freiheit!Über die Enteignung der Kindheit und die Verstaatlichung der Familie ”. Geschrieben ohne Rücksicht auf die eigene Partei,  ohne Rücksicht auf die grassierende Bildungsideologie.  Eine Bildungskritik, die zugleich auch eine der Gesellschaft und der Wirtschaft ist.  

Hier ein paar Zwischenüberschriften: “Der schulische Imperalismus”/ ” Der pädagogisch-industrielle Komplex” / Die Enteignung der Kindheit” / “Das verlorene Abenteuer der Kindheit” / “Die Allzuständigkeit des pädagogischen Experten” / “Die Unterordnung der Familien unter die Wirtschaft”

Das wird vielen nicht gefallen.

Chapeau, Herr Blüm!

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Eifel-Literaturfestival: Willkommen in Absurdistan

Herr Zierden kommentiert den Leserbrief von Herrn Barghausen,  der sich kritisch über die Einladung von Thilo Sarrazin zum Eifel- Literaturfestival äußert, mit dem Hinweis, dass zu einer Demokratie  Meinungsfreiheit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden gehöre.  Verbot und Zensur seien in einer Demokratie keine Antwort. Dass ist beides vollkommen richtig. Nur: Im Falle Sarrazin ist diese Begründung völlig absurd. Michael Spreng hat es auf den Punkt gebracht: “Kaum einer durfte in den letzten Jahren den Mund so weit aufreißen wie Thilo Sarrazin.” Niemand hat Thilo Sarrazin verboten, sein Buch zu veröffentlichen, niemand hat ihm verboten an Talkshows teilzunehmen, niemand hat ihm verboten Interviews zu geben. Im Gegenteil. Er konnte sein Buch bestens verkaufen, er hat Talkshows besucht und Interviews gegeben. Er hat von der Meinungsfreiheit reichlich Gebrauch gemacht und sich eine goldene Nase  verdient. Auf sein Geschäftsmodell, das zynisch eben diese Meinungsfreiheit einkalkulkiert, habe ich schon hingewiesen.  Herrn Zierdens pathetischer Rekurs auf Voltaire und die Aufklärung ist also in diesem Zusammenhang völlig verfehlt und denkbar ungeeignet, um zu begründen, warum man Herrn Sarrazin eine Bühne bietet. 

 Warum also tut man es?  Will man vom Erregungspotenzial eines populistischen, ressentimentgeladenen und antiaufklärerischen Buches profitieren? Hegt man Sympathien für Herrn Sarrazin? Womit will man sich noch kritisch auseinandersetzen? Wer die Auseinandersetzung sucht, hatte ein Jahr Zeit dies zu tun. 

Denjenigen, die es noch nicht getan haben, seien zwei Aufsätze empfohlen: den nüchternen und von Polemik freien Aufsatz von Armin Nassehi, Professor für Soziologie an der LMU München, ”Die Biologie spricht gegen Biologismus”, faz.net 18.10.2010 und den bissigen von Christian Geyer, zuständig für das Ressort “Neue Sachbücher” bei der FAZ, ”So wird Deutschland dumm”, faz.net 26.08.2010. Das sollte reichen, um von einem Besuch der Veranstaltung mit Sarrazin Abstand zu nehmen. 

Sarrazin – eine Sternstunde für Leser? Sarrazin – ein Top-Autor? Mitnichten, Herr Zierden.    

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Bushido, Sarrazin – Zynische Geschäftsmodelle

Bushido erhält einen Bambi – für seine Integrationsleistung. Was sich wie Satire liest, ist leider bitterer Ernst. Jörg Pistorius hat heute im TV treffend Bushidos Eindreschen auf Minderheiten und seinen angeblichen Wandel als reine Geschäftsmodelle bezeichnet. ”Zynische” hätte er noch anfügen und in seinen Kommentar auch die Einladung Sarrazins zum Eifel-Literaturfestival einbeziehen können.

Sarrazin wurde zum Eifel-Literaturfestival eingeladen. Warum bloß? “Deutschland schafft sich ab” taugt nicht als Fachbuch, weil nicht es nicht wissenschaftlich gearbeitet ist. Es taugt nicht als Sachbuch, weil es den Mindestanforderungen sachlicher Darstellung nicht genügt. Es taugt noch nicht einmal als Polemik,  weil es sprachlich miserabel gearbeitet ist.  Es ist nur  ein unsäglicher  Brei, aus Fakten, Halbwahrem und schlicht Falschem zusammengerührt. Verquaste Thesen, die auf dumpfes Ressentiment zielen und dieses befeuern, in Buchform präsentiert, um Kasse zu machen.  Das Geschäftsmodell ist klar.  Auf welchem Geschäftsmodell basiert die Einladung Sarrazins? Was verspricht man sich  von ihr? Ein volles Haus? Volle Kasse? Nur, wer soll den Saal füllen? Wer bei Verstand ist, bleibt weg und bietet diesem Herrn keine Bühne, auch dann nicht, wenn das Ganze in Art einer (pseudo-)kritischen Podiumsdiskussion vonstatten gehen sollte. Überwiegend wird der Saal wohl von solchen gefüllt werden, die glauben, die deutsche Kultur, von der sie selbst keine Ahnung haben, retten zu müssen. Vielleicht sollte man einmal Herta Müller, Günther Grass und Imre Kertesz fragen, was Sie davon halten, dass ein Festival mit ihrem Namen Reklame macht und gleichzeitg Herrn Sarrazin Gelegenheit zur Selbstdarstellung bietet. Der Medienpartner TV bezeichnet diese Einladung als “Knaller”. Was für eine Einstellung, was für ein “Geschäftsmodell” drückt sich hier aus?  

Wer auf die Migrationsproblematik hinweisen oder sie  diskutieren will,  und dafür gibt es ja durchaus Gründe,  sollte dazu seriöse Leute einladen.    

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar