Vorweg: Dieser Entwurf ist ein Quantensprung zu dem, was in der Aera Calleen an konzeptioneller Arbeit geliefert wurde, er ist ausführlich, nüchtern, erfrischend realistisch und pragmatisch und bietet eine gute Diskussionsgrundlage. Einige fragmentarische Anmerkungen aus Anlass des zweiten Kulturforums am heutigen Abend.
Vorwort: “Auf philosophische und rein theoretische Betrachtungen von Kultur und Kunst sowie Versuche von Definitionen wurde verzichtet.” Der Verzicht hat natürlich seine Vorteile. Er engt die Diskussion nicht von vorneherein durch begriffliche Festlegungen ein. Er läßt nicht diejenigen außen vor, die auf diesem Felde nicht so beschlagen sind, er vermeidet zudem Verzettelungen. Trotzdem hätte ich mir eine Diskussion gewünscht, – eine solche grundlegende hat ja auch im ersten Kulturforum nicht stattgefunden-. Kulturamt und Kulturforum sind kein philosophisches Oberseminar, aber wer schon einmal in einem solchen Oberseminar gesessen hat, der weiß, dass eine Klärung der Begriffe immer sinnvoll ist, auch wenn sie zu keinem endgültigen Ergebnis führt, weil schon allein dieser Klärungsprozess sehr erhellend sein kann und weil einen sonst dieses Versäumnis in der Regel einmal einholen wird, hier spätestens dann, wenn geklärt werden muss, was denn gefördert werden soll und was nicht, was noch als Kultur gilt und was nicht, und warum nicht.
Musik/Musikkreis/Kooperation Mosel-Musikfestival
“Die Musik ist in Wittlich ausgesprochen gut aufgestellt”. Das würde ich mit Blick auf den Musikkreis nicht ganz so positiv sehen. Die Interpreten, die eingeladen werden, sind gewiss erste Wahl, die konzeptionelle Ausrichtung ist jedoch stark verbesserungswürdig. Das Programm ist rückwärtsgerichtet, die Auseinandersetzung mit neueren musikalischen Entwicklungen fehlt völlig. Man kann die Klassiker auch zu Tode pflegen. Auf die Kooperation mit dem Mosel-Musikfestival sollte man und kann man getrost verzichten. Sie bringt keinerlei kulturelle Profilschärfe für Wittlich. Das Streben des Festival ist die Vermehrung seines eigenen Glanzes. Trier gewinnt hier immer mehr an Bedeutung und dürfte mit Machern im Zentrum stehen. Wenn ich es recht sehe, ist die Tendenz die, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Das jedenfalls, was in dieser Saison in Wittlich an Festivalveranstaltungen angeboten wird, ist doch arg bescheiden.
Literatur
“Auch die Literatur ist in Wittlich gut aufgestellt” Richtig! Ihr Verdienst, Frau Scheid!
Bildende Kunst/ Bildhauer-Symposion
Bildende Kunst in Wittlich- ein heikles Thema. Ein Problem war sicherlich die Konstruktion des Meistermann-Museums mit der Installation eines Erben als Leiter. Das ging gründlich schief und geht auch anderswo schief. Dass Meistermann beim breiten Wttlicher Publikum nie wirklich angekommen ist, ist bedauerlich, aber Fakt. Ein anderes Problem ist die Verwechslung von Kunsthandwerk mit Kunst, der man in Wittlich häufiger begegnet, nicht nur im Falle Scherl, dessen Schweinchen bspw. vor dem Rathaus mit Kunst nicht das Geringste zu tun haben. Generell steht in Wittlich zuviel an Kunsthandwerk herum, das für Kunst gehalten wird. Im Literaturverzeichnis des Entwurfs findet sich Rauterbergs “Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung. - ein Buch, welches einen sehr demokratischen Kunstbegriff vertritt. Aber man täusche sich nicht: Würde man die von ihm entwickelten Kriterien auf das, was an ”Kunst” in Wittlich herumsteht und hängt, anwenden, könnte man einen Großteil davon abtransportieren. Und damit ist man wieder bei den elementaren Fragen angelangt. Was will man fördern? Kunst! Gute Kunst oder schlechte Kunst? Und wann ist etwas gute Kunst? Ob ein Bildhauer-Symposion wirklich gute Ideen für die Gestaltung eines Kreisels bringt? Die Ergebnisse der vorangegangenen Symposien stimmen mich eher skeptisch und auf die Entscheidungskompetenz des Stadtrates in Sachen Kunst würde ich mich, siehe das unsägliche Mauerdenkmal, nur ungern verlassen.
An die Politik: Demokratie ist eine wunderbare Sache, aber man sollte daran denken, dass Kulturpolitik mehr sein muss als die Organisation dessen, was die diversen Gruppen und Grüppchen für Kultur halten, auch mehr als die Erfüllung der Wünsche der Kulturwirtschaft.
Empfohlene Literatur. Horkheimer, Adorno, Dialektik der Aufklärung / H.Noltze, Die Leichtigkeitslüge. Georg Bollenbeck, Eine Geschichte der Kulturkritik/Seubold, Destruktionen der Kultur